Was versteht man unter Kanalsanierung?

Abwasserkanäle finden in der Öffentlichkeit kaum Beachtung, denn sie verlaufen fast immer unterirdisch. Erst, wenn der Abfluss eines Hauses verstopft ist, registrieren wir seine Notwendigkeit. Diese Kanäle transportieren jedoch nicht nur die Abwässer unterschiedlichster Art ab. Vielmehr müssen sie auch eine umweltgemäße Funktion erfüllen, indem sie verhindern, dass Abwässer in den Boden und damit in das Grundwasser gelangen. Deshalb werden an die Dichtigkeit von Abwasserkanälen hohe Anforderungen gestellt.
Andererseits müssen Abwasserkanäle über viele Jahrzehnte hinweg in einem funktionsfähigen Zustand erhalten werden. Der Aufwand bei der Erneuerung eines solchen Kanals ist mit Straßen- und Tiefbauarbeiten einschließlich der erforderlichen, langfristigen Straßensperrungen sehr hoch und mit hohen Kosten verbunden. Deshalb sind mehrere neue Verfahren entwickelt worden, die diese Abwasserkanäle vor einer übermäßigen Beschädigung schützen bzw. bei Defekten unterirdisch reparieren.

Reparieren oder Ersetzen

Die Kanalsanierung unterteilt sich in die drei Teilbereiche Reparieren, Renovieren oder Ersetzen. Entscheidend ist der jeweilige Beschädigungsgrad des Abwasserkanals. Während bei einem Ersatz fast immer die Variante mit Straßen- und Tiefbauarbeiten gewählt werden muss, kommen beim Renovieren bzw. Reparieren vorrangig grabenlose Verfahrensweisen zum Einsatz. Sie erfolgen nach den strengen europäischen Norm EN 15885, deutsche Fassung 2010.

Wie erfolgt eine grabenlose Reparatur

Diese Form der Kanalsanierung kommt vorrangig zur Anwendung, wenn an Muffen oder Einläufen in den Abwasserkanal Undichtigkeiten aufgetreten sind. Ein weiterer Auslöser sind Einwachsungen von Baumwurzeln. Zunächst wird ein Roboter in den Kanal eingesetzt, der diese Einengungen ausfräst. Der Nachteil dieser unvermeidbaren Arbeiten besteht jedoch darin, dass abzweigende oder weiterleitende Rohre beschädigt werden können.

Ist der Abwasserkanal auf diese Weise gereinigt und auf seine vollständige Durchlassfähigkeit erweitert worden, kommt vorzugsweise ein Lang- oder Kurzliner zum Einsatz. Er besteht aus einer Glasfasermatte, die unter Beobachtung durch eine Kanalkamera im Kanal an die betroffene Stelle transportiert wird. Mit einem Packer wird er an die Rohrinnenwand gepresst, wo er durch sein schnell aushärtendes Kunstharz einen formschlüssigen Abschluss herstellt.

Wie wird ein solcher Kanal grabenlos renoviert

Hier kommt vorrangig das Schlauchliningverfahren zum Einsatz, bei dem ein PE- oder PVC-Rohr in den beschädigten und vorher gereinigten Kanal eingeführt wird. Ihr Außendurchmesser entspricht dem Innendurchmesser des alten Rohres. Es wird zunächst durch eine Technik in seinem Durchmesser reduziert und nach dem Einbringen an Ort und Stelle rückverformt. Eine weitere Form dieser Kanalsanierung ist das Wickelrohrverfahren, in dem ein profilierter Kunststoffstreifen beim Einbringen mittels einer Maschine in der Größe des Innendurchmessers des alten Rohres gewickelt wird.